Faszination Seide


Seide zieht den Blick auf sich, denn die Farben leuchten und ziehen uns an. In den Händen fühlt man dann den herrlich weichen Griff, die Glätte des Materials, die Kühle, die im Sommer so angenehm ist. Seidengarn ist aber auch verschrien als Garn das stark leiert und knittert, deshalb trauen sich viele Strickerinnen nicht, es zu verstricken.

In den vergangenen 8 Jahren habe ich reichlich Seidenerfahrung sammeln können, dabei hat sich mir vor allem eines eingeprägt: Seidengarn ist eine Diva und muss ganz anders behandelt werden als andere Garne. Gerne verheddert sie sich bereits beim Färben zu einem Komplettknäuel, das man nur mit Mühe wieder entwirren kann – wenn überhaupt.

Bei Seide hatte ich einen hohen Ausschuss, denn wenn sich das Material in nassem Zustand zu einer Schlinge festzieht, bekommt man sie kaum noch auf.

Seide, die nicht mehrfach verzwirnt wurde hat sich als leichter zu färben erwiesen, dafür neigt sie zum Flusen und zum gefürchteten Leiern, auch wenn es allerbeste Maulbeerseide ist:

Seide, die ich extra nicht so fest habe zwirnen lassen erwies sich als wahre Pest was das Färben angeht und als genauso grässlich, was das Wickeln betrifft. Viele Kundinnen waren unzufrieden, bemängelten, dass man beim Stricken leicht zwischen die Fäden sticht und all das hat dazu geführt, dass ich nie wieder Seide ins Programm nehmen wollte. Seide machte mir einfach ganz, ganz schlechte Laune.

Meine Laune hat sich aber schlagartig gebessert, als ich vor einiger Zeit das Seidengarn einer italienischen Spinnerei in Händen hielt. Das Garn ist 12fach cablé gezwirnt, sprich, es werden zunächst 2 Fäden miteinander verzwirnt, dann werden 6 dieser 2fache Fäden noch einmal miteinander verzwirnt. Das Garn ist dadurch sehr fest, hoch strapazierfähig und behält die Form, sprich, es leiert nicht. Nach einger Zeit und vielen Strickmodellen stellte sich auch noch heraus, dass man ein über längere Zeit zusammengelegtes Strickstück nahezu knitterfrei wieder entfalten konnte, kleine Falten glätteten sich nach kurzer Zeit von selbst, sobald das Stück ein Weilchen auf einem Bügel hing. Diese Seide ist auch für Bekleidung ideal.

Jeder Zwirnvorgang kostet Geld. Je dünner der zu verzwirnende Faden, desto langsamer laufen die Maschinen und desto teurer wird es, so hat es mir der Chef einer bekannten österreichischen Spinnerei erklärt. Das Ergebnis mehrerer Zwirnvorgänge unterscheidet sich in seiner Qualität dann aber erheblich von den gängigen unverzwirnten Garnen.

Leider ist auch dieses Garn durch seine dichte Verzwirnung pestig zu färben.

Es muss sehr lange eingeweicht werden, damit sich die Faser aufplustert und Farbe annehmen kann. Am besten wird es noch lange kalt gefärbt, dann erst erhitzt und auch dann hat es oft noch weiße Stellen und muss noch einmal gefärbt werden. Ich war drauf und dran, das Garn trotz all seiner guten Eigenschaften zu verwerfen, denn wenn ich nur winzige Mengen auf einmal färben kann, müsste ich den Preis in ungeahnte Höhen schrauben. Aber das Garn ist doch soooo schön! Diese Farbbrillanz!

Nach einigen Verhandlungen (meine italienisch Kenntnisse sind stark verbesserungswürdig) konnte ich mich mit der Spinnerei dann auf eine Zwirnung einigen, die nicht ganz so fest gedrallt ist, sprich, sie hat ein paar weniger Umdrehungen pro Meter. Das Garn ist dadurch etwas geschmeidiger, lässt sich viel besser färben

und hat trotzdem die guten Eigenschaften der 12fach Zwirnung. Ich glaube, das ist sie jetzt, meine Traumseide und sie heißt Sedaca, weil eben Seide und Cablé.

Auf den Märkten wird mir die Sedaca regelrecht aus den Händen gerissen. Das ist schön, aber blöd für Diejenigen, die keinen der wenigen Märkte besuchen, an denen ich teilnehme. „Wann kommt die Seide endlich in den Shop?“ werde ich immer wieder gefagt. Da Anfang September das Ravelry Treffen in Regensburg stattfindet, lautet meine Antwort  meist: „Wahrscheinlich im Oktober“: Uh.

Umso mehr freue ich mich, dass ich schon jetzt ein kleines Kontingent an Sedaca anbieten kann, damit auch diejenigen, die das Garn noch nicht kennen es einmal ausprobieren können. Um das wunderschöne Maschenbild der Sedaca zu würdigen, habe ich ein ganz schlichtes Tuch daraus gestrickt. Milvina aus Seide heißt „Der Flug des Falken“ und wurde mit einigen Perlen veredelt.

Der Wunsch nach Kits mit den passenden Perlen wurde laut et voilà: ein kleines Döschen mit ca. 400 Toho 6/0 Rocailles rundet das Kit mit 200g Sedaca und der Anleitung für das Milvina Tuch ab. Diese Unikate gibt es derzeit im wollerey Shop bei den besonderen Angeboten:

Sedaca Kits

Wenn weg, dann weg, wie immer. Natürlich muss man kein Milvina Tuch daraus stricken, das Garn mit seiner Lauflänge von 500m / 100g eignet sich für viele schöne Strickereyen.

 

 

 

 

 

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